Die Sprache der Hunde

Gibt es das Dominanzverhalten beim Hund wirklich?

Dominantes Verhalten beim Hund gibt es zwar, aber es ist längst nicht das, was man sich darunter eigentlich vorstellt.

Zuerst einmal, ist ein Hund dominant, ist er es situativ. Im Grunde gibt es auch keinen dominanten Hund, weil Dominanz ist kein Charakterzug, sondern ein Verhalten. Ein Hund, der Angst hat, ist auch nur in bestimmten Situationen ängstlich und nicht den ganzen Tag. So ist Dominanz ein Verhalten, das nur in bestimmten Situationen auftritt.

So, was heißt denn jetzt eigentlich „dominant sein“? Dominanz wird aus dem lateinischen Wort dominari abgeleitet, was so viel wie überlegen bedeutet. Sie wird, wie schon gesagt, situativ in der Natur angemessen gezeigt. Hat Hund A ein Spielzeug und Hund B nimmt es sich, ist Hund B dominant. So wird in einer Situation die Beziehung zwischen zwei Individuen geklärt und es dient zur Streitvermeidung. Dominanz wird eingesetzt, um den Zugang zu bestimmten Ressourcen, Vorrechten oder anderen wichtigen Interessen zu ermöglichen, so dass Streitereien oder gar Keilereien vermieden werden können. Dominanz ist aber nicht statisch, so kann Hund A zwar beim Zugang zum Spielzeug der subdominante Part sein aber beim Futter gegenüber Hund B der dominante. Dominanz setzt Selbstvertrauen voraus und muss auch nicht zur Schau gestellt werden.

Ein schönes Beispiel dafür zeigte mir einmal meine eigene Monsterbande. Meine älteste Hündin Lucy ist ein toller Hund. Sie hat immer eine unglaublich gelassene Ausstrahlung, und egal welche nervigen quirligen Welpen und Junghunde ich ihr vor die Nase setze, behielt sie immer die Ruhe, spielte mit ihnen, setzte aber auch im richtigen Moment liebevolle Grenzen.

Nun kam mein damaliger Hund Knoxville, eine englische Bulldoggen-Rückzüchtung. Als er schon ausgewachsen war und zarte 40 Kilo wog, 12 Kilo mehr als Lucy, durfte ich immer wieder erstaunliches beobachten. Knoxville lag zum Beispiel auf Lucys Lieblingsplatz. Wenn Lucy jetzt auf ihren Platz wollte, schaute sie Knoxville einfach nur an. Knoxville bemerkte den Blick und stand immer sofort auf und ging irgendwo anders hin. Das ganze lief immer in vollkommener Ruhe ab, ich hörte nie ein Knurren, keiner der beiden Hunde wurde steif oder machte gar die Rute hoch. Zufrieden legte sich Lucy dann immer auf ihren Lieblingsplatz und schlief seelisch ein.

In diesem Beispiel war Lucy dominant gegenüber Knoxville, jedoch ohne Aggression und genau so, wie es eigentlich auch sein sollte. Nun schauen wir uns einmal die Hunde an, die als dominante Hunde gelten sollen. Meisten ist es immer identisch, was man hört und sieht. Sie strecken die Gliedmaßen durch, heben die Rute weit über die Rückenlehne, und die gesamte Muskulatur spannt sich an. Ist das ein Verhalten eines selbstbewussten Hundes? Muss ich jedem im Ring zeigen, dass ich der Hammer bin? Oder weiß ein Selbstbewusster Hund, dass er der Hammer ist und kann in jeder Situation gelassen und souverän reagieren, weil er weiß, wie er jede Situation zu managen hat?

Die meisten Hunde, die als dominant gelten, imponieren nur sehr häufig. Imponieren ist aber eine Art von Angeberei. Dies muss ein Hund aber nur tun, wenn er in bestimmten Situationen Angst hat die Kontrolle zu verlieren. So wird die Rute hoch gezeigt, weil die gesamte Rückenmuskulatur sich anspannt. Auch die Nackenhaare, die sich aufstellen, sind somit ein Zeichen der Erregung und nicht, weil sie sich groß machen wollen. Zudem stellen sich die Nackenhaare ganz automatisch auf, sie können das nicht bewusst steuern. Somit sind Hunde, die oft als dominant gelten, eher unsicher und Hunde, die völlig ruhig und gelassen sind, die eigentlichen dominanten.

Ein Hund, der nicht hört oder nach dem Markieren scharrt, muss auch nicht dominant sein. Beim Nichthören kann er es einfach noch nicht richtig verstanden haben, und das Scharren nach dem Pinkeln dient einer weiteren Kommunikation. Denn Hunde schwitzen an den Fußsohlen und so setzen sie noch olfaktorische wie auch ein optisches Zeichen durch das Aufwühlen der Erde.

Du siehst, ein dominantes Verhalten hat nichts Schlechtes an sich, es dient nicht zur Aggression, sondern zur Konfliktvermeidung, es ist auch nicht statisch und kann stark von Situation zu Situation variieren. Ein Hund, der als dominant gilt, kann ein Angeber sein, ist dann aber garantiert nicht selbstsicher. Das Wichtigste bitte nie vergessen: Dominanz ist ein Verhalten und keine Eigenschaft oder Charakterzug.

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Jenny Joswiak

Ich bin die Jenny von superschnauze, Hundetrainer aus Leidenschaft und Bloggerin. In diesem Blog schreibe ich über die Erziehung von Hunden, die Sprache der Hunde, veröffentliche Interviews (u.a. mit anderen Bloggern, Tierheimen, oder Hundetrainer) und informiere euch über lustige sowie wissenswerte Themen rund um den Hund. Falls du eine Frage hast oder ich dir auf eine andere Weise helfen kann, schreibe mir einfach einen Kommentar.


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